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Aus der Forschung


           Was sagt die Forschung an der Universität Regensburg?

Lediglich in 6 von 16 Bundesländern existieren verpflichtende Sprecherziehungsangebote für Lehramtsstudierende (vgl. Lange/Appel 2014).


Mündliche Kompetenzen bei künftigen Deutschlehrkräften (Dr. Gegner, 2021):

  • Stimmliche Leistungsfähigkeit
  • Rederhetorische Kompetenzen
  • Sprechkünstlerische Kompetenzen

Ca. 30 % der angehenden Lehrkräfte

(N = 198) haben keine leistungsfähige Stimme. Dies wirkt sich auch auf ihre sprechkünstlerischen Fähigkeiten aus.


Extraverbale und paraverbale Anteile bei mündlichen Erklärungen (Gunga, laufende Promotion):

Teiluntersuchung im Forschungsprojekt FALKE (N = 2.782)

(= Fachspezifische Lehrerkompetenzen im Erklären)

Stimmqualität und Körperausdruck sind wesentliche Faktoren für eine verständliche Erklärung im Unterricht.


Selbsteinschätzung der Stimmsituation bayerischer Lehrer:innen (Fröhlich-Necker, 2021):

Onlineumfrage unter bayerischen Lehrkräften (N = 499)

Ca. 30 % der Befragten waren im vergangenen Jahr wegen stimmlicher Probleme arbeitsunfähig.


Lehrkräfte sind Berufssprecher

Lehrkräfte gehören aufgrund der hohen stimmlichen Anforderungen der Klasse der Berufssprecher (professional voice users) (vgl. Koufman/Isaacson 1991) an.

Bedauerlicherweise sind sprecherisch-stimmliche Inhalte kaum Bestandteil der Lehramtsausbildung.

Dabei zeigen eine Vielzahl an Untersuchungen, dass Stimme und Sprechweise einer Lehrkraft großen Einfluss auf den Lehr-Lernkontext besitzen können:

Lindl et al. (2019) zeigen beispielsweise bei einer Gesamtstichprobe von 2.782 Personen aus Schüler:innen verschiedener Schularten und Jahrgangsstufen, Lehramtsstudierenden, Lehrkräften und Fachdidaktiker:innen, dass in allen Gruppen der Sprech- und Körperausdruck einer Lehrkraft Strukturiertheit und Adressatenorientierung „signifikante, nahezu gleichwertige Prädiktoren für die Beurteilung einer Erklärung“ (ebd., 138) darstellen.

Stimme und Sprechweise einer Lehrkraft sind unter anderem also entscheidend für die Verständlichkeit des Unterrichts. Trotz abwechslungsreicher Unterrichtsmethoden spricht eine Lehrkraft viele Stunden über den Tag hinweg. Diese stimmliche Belastung führt nicht selten zu häufiger Heiserkeit der Lehrkraft, die auch mit einer subjektiven Leistungseinschränkung der Stimmfunktion einhergehen kann. Voigt-Zimmermann (2017) fasst die bisherigen Erkenntnisse zu den Auswirkungen heiserer Stimmen von Lehrkräften auf die Performanz von Schüler:innen folgendermaßen zusammen:

  • verringerte Erinnerungsfähigkeit
  • schlechte Perzeptions- und Verarbeitungsfähigkeit
  • schlechte Verstehensleistung
  • zunehmend schlechte Performanz bei Steigerung des Schwierigkeitsgrades der Aufgabenstellung
  • Aufmerksamskeitsverlust

Die Notwendigkeit des CoVoC-T an der Universität Regensburg hat Christian Gegner, Geschäftsführer des Zentrums für Sprache und Kommunikation, durch seine Forschungsarbeit im Rahmen des Regensburger Stimmscreening-Projekts bestätigt: Das Stimmscreening richtet sich seit dem Wintersemester 2010/11 an alle Lehramtsstudierenden der Universität Regensburg und bietet diesen eine wissenschaftlich fundierte Rückmeldung zu ihrer stimmlichen Leistungsfähigkeit. Bei den knapp 200 untersuchten Studierenden fielen rund 30 Prozent bereits im Studium durch eine geringgradige Stimmstörung auf.

Ebenfalls stellte Eileen Gunga zentrale Forschungsergebnisse des FALKE-Projekts (Fachspezifische Lehrkompetenz im Erklären) vor: Sie verdeutlichte, dass nicht nur die Stimmqualität, sondern generelle stimmlich-sprecherische Aspekte sowie der Körperausdruck wesentlich für eine verständliche Erklärung im Unterricht sind.

Ziel des CoVoC-T ist es, Studierende in kommunikativer und stimmhygienischer Hinsicht bestmöglich auf ihren späteren Sprechberuf vorzubereiten und bereits tätige Lehrkräfte in Bezug auf diese Themen zu beraten.



Weiterführende Literatur:

Gegner, Christian (2021): Mündliche Kompetenzen von Lehramtsstudierenden: Stimmliche Leistungsfähigkeit, rederhetorische und sprechkünstlerische Kompetenzen bei künftigen Deutschlehrkräften (Inaugural-Dissertation an der Universität Regensburg). Regensburg.

Koufman, James A./Isaacson, Glenn (1991): The Spectrum of Vocal Dysfunction. In: The Otolaryngologic Clinics of North America. Voice Disorders, 24 (5). S. 985-988.

Lindl, Alfred/Gaier, Lisa/Weich, Matthias/Frei, Mario/Ehras, Christina/Gastl-Pischetsrieder, Maria/Elmer, Michael/Asen-Molz, Katharina/Ruck, Anna-Maria/Heinze, Jana/Murmann, Renate/Gunga, Eileen/Röhrl, Simone (2019): Eine ‚gute‘ Erklärung für alle?! Gruppenspezifische Unterschiede in der Beurteilung von Erklärqualität – erste Ergebnisse aus dem interdisziplinären Forschungsprojekt FALKE. In: Ehmke, Timo/Kuhl, Poldi/Pietsch, Marcus (Hrsg.): Lehrer. Bildung. Gestalten. Beiträge zur empirischen Forschung in der Lehrerbildung. Weinheim: Beltz Juventa. S. 128-141.

Voigt-Zimmermann, Susanne (2017): Auswirkungen der heiseren Stimme von Pädagogen auf die Leistungen von Kindern. In: Fuchs, Michael (Hrsg.): Die Stimme im pädagogischen Alltag (= Kinder- und Jugendstimme, Band 11). Berlin: Logos. S. 37-48.


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