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Neue Therapie gegen grünen Star

Bekämpfung der Ursachen und nicht nur der Symptome


14. Dezember 2018 | Jan Kleine

Das Glaukom, umgangssprachlich auch grüner Star genannt, ist eine Volkskrankheit. Beim Glaukom gehen die Nervenfasern der Ganglienzellen zu Grunde, die den Sehnerv bilden. In Deutschland leiden etwa drei Millionen Menschen an einem zu hohen Augeninnendruck, der ein Risikofaktor für die Erkrankung darstellt, und rund 800.000 Menschen sind am Glaukom selbst erkrankt. Die Häufigkeit der Erkrankung steigt mit zunehmendem Lebensalter.

Eine frühzeitige Diagnose ist wichtig, um ein Fortschreiten des Glaukoms, das die Nervenfasern im Sehnerv dauerhaft und unwiederbringlich schädigt, aufhalten zu können. Erschwert wird eine Diagnose vor allem dadurch, dass eine glaukomatöse Erkrankung oftmals über viele Jahre hinweg unerkannt bleibt. Das Glaukom verursacht in aller Regel keine Schmerzen und dem erkrankten Auge ist auch äußerlich nichts anzusehen. Schätzungen zufolge bleiben daher selbst in Ländern mit guter medizinischer Versorgung circa die Hälfte aller Glaukome unerkannt.

Typische Folgen der Krankheit reichen von Gesichtsfeldausfällen bis hin zur Erblindung der Patienten. Wird das Glaukom diagnostiziert, wird mit einer medikamentösen Therapie behandelt, die auf drucksenkenden Augentropfen basiert. Die Anwendung dieser Augentropfen hat jedoch gravierende Nachteile: Die Patienten empfinden die Therapie oftmals als zu aufwändig, so dass 30 Prozent der Patienten nach drei Jahren die Therapie beenden. Darüber hinaus sind nur ein Prozent bis maximal sieben Prozent des applizierten Wirkstoffes im Auge bioverfügbar und können ihre Wirkung entfalten. Zudem therapieren die Augentropfen nicht die zu Grunde liegende Ursache der Krankheit, und können somit keine Heilung herbeiführen, sie können den Krankheitsverlauf verlangsamen.

Im gesunden Auge zirkuliert das Kammerwasser, eine Flüssigkeit, welche beispielsweise die Linse und die Hornhaut mit Nährstoffen versorgt. Das Kammerwasser fließt durch das Trabekelwerk und dem Schlemm-Kanal in das venöse System ab. Bei einer Glaukomerkrankung verändert sich das Gewebe des Trabekelwerkes und wird undurchlässiger. Somit entsteht ein höherer Abflusswiderstand gegenüber dem Kammerwasser im Augeninneren und Augeninnendruck erhöht sich.

Das Team um PD Dr. Miriam Breunig (Institut für Pharmazeutische Technologie) und Prof. Dr. Rudolf Fuchshofer (Institut für Humananatomie und Embryologie) an der UR hat nun jedoch einen neuen therapeutischen Ansatz entwickelt, der die Ursache und das weitere Fortschreiten des Glaukoms behandeln soll. Der Connective Tissue Growth Factor (CTGF), ein so genannter Wachstumsfaktor, welcher für die Gewebsveränderungen im Trabekelwerk sorgt, wird mittels einer Nukleinsäure, der small interfering RNA (siRNA), unterbunden. Da eine siRNA im Auge instabil ist, hat das Forscher-Team die siRNA in Nanopartikel verpackt, die dann in das Auge injiziert werden. Diese Applikation wurde bereits an Augen von verschiedenen Organismen getestet. Dabei konnte gezeigt werden, dass sich die Nanopartikel im Zielgewebe anreichern. Mit Hilfe der Nanopartikel konnte so in Zellen aus dem krankhaft veränderten Gewebe des Auges die Entwicklung des Wachstumsfaktors signifikant reduziert werden.

Die Wissenschaftler zeigen damit erstmals, dass eine ursächliche Therapie des Glaukoms mit Hilfe von Nanopartikeln möglich ist. Die Ergebnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift Small (IF 9.598) publiziert. Das Projekt wird von der DFG im Einzelverfahren gefördert.

Nanoglaukom Graphik

Injektion der Nanopartikel
© Prof. Dr. Rudolf Fuchshofer


Ansprechpartner für Medienvertreter:

PD Dr. Miriam Breunig
Institut für Pharmazeutische Technologie
Universität Regensburg
Tel.: 0941 943-4828
E-Mail: miriam.breunig@ur.de

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