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Ruth Klüger im Alter von 88 Jahren gestorben

Trauer um ehemalige Regensburger Studentin


8. Oktober 2020

Die Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin Ruth Klüger, eine Überlebende des Holocaust, ist am 6. Oktober 2020 gestorben. Ruth Klüger war im Sommer 1947 an der Theologisch-Philosophischen Hochschule in Regensburg als Studentin immatrikuliert.

Ruth Klüger, geboren am 30. Oktober 1931, wuchs in Wien in einer jüdischen, bildungsbürgerlichen Familie auf. Als sie acht Jahre alt war, floh ihr Vater nach Frankreich, wohin er seine Familie nicht nachholen konnte. 1942, mit elf Jahren, wurde sie gemeinsam mit ihrer Mutter von den Nationalsozialisten deportiert und verbrachte die folgenden Jahre in den Konzentrationslagern in Theresienstadt, Auschwitz und Christianstadt. Auf einem Gefangenenmarsch konnte sie 1945 zusammen mit ihrer Mutter fliehen. 1946 legte sie in Straubing das Notabitur ab und immatrikulierte sich am 29. April 1947 mit nur 15 Jahren an der Theologisch-Philosophischen Hochschule in Regensburg – der Vorgängerinstitution der Universität Regensburg. In den knapp drei Monaten als Regensburger Studentin besuchte sie unter anderem Lehrveranstaltungen zu Logik und Erkenntnistheorie. Hier lernte sie ihren Kommilitonen Martin Walser kennen, dem sie über Jahre hinweg freundschaftlich verbunden bleibt, bis sie sich 2002 öffentlich von ihm abwendet – als Reaktion auf den antisemitischen Roman „Tod eines Kritikers", in dem Walser den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki angreift.



Nach ihrem ersten Semester als Studentin in Regensburg wanderte Ruth Klüger 1947 in die USA aus. Sie studierte Bibliothekswissenschaften und Germanistik und machte 1952 ihren Master-Abschluss. In den 1950er Jahren war sie mit dem Historiker Werner Angress verheiratet und wurde Mutter zweier Söhne. Sie promovierte 1967 und war von 1980 bis 1986 Professorin in Princeton, danach an der University of California in Irvine. 1988 hatte die Germanistin Klüger eine Gastprofessur an der Georg-August-Universität Göttingen inne; in dieser Zeit begann sie die Arbeit an ihrer Autobiografie „weiter leben. Eine Jugend“, die 1992 im Wallstein-Verlag erschienen ist. Schwerpunkt ihrer wissenschaftlichen Arbeiten waren die Werke von Gotthold Ephraim Lessing und Heinrich von Kleist. Am 27. Januar 2016, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, hielt Ruth Klüger eine vielbeachtete Rede im Deutschen Bundestag: Im Zusammenhang mit der deutschen Grenzöffnung für Flüchtlinge spricht sie davon, dass „dieses Land, das vor achtzig Jahren für die schlimmsten Verbrechen des Jahrhunderts verantwortlich war, […] heute den Beifall der Welt gewonnen [hat].“


Beim Bayerischen Buchpreis 2016 wurde Ruth Klüger mit dem Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.

Foto von Amrei-Marie
Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0,  https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=53782089


Nach langer Krankheit ist Ruth Klüger in der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober 2020, im Alter von 88 Jahren, in Kalifornien gestorben.

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