Zu Hauptinhalt springen
Startseite UR

„ZUKUNFTSWERTE?! – Ein Perspektivenwechsel“

10. Elitenetzwerk Bayern FORUM an der Universität Regensburg


Pressemitteilung vom 7. Mai 2018
Der Elitestudiengang „SynCat - M.SC. Advanced Synthesis and Catalysis“ der Universität Regensburg hat am Donnerstag, dem 26. April 2018, die zehnte Veranstaltung der interdisziplinären Vortragsreihe Elitenetzwerk Bayern FORUM veranstaltet. Das FORUM stand unter dem Motto „ZUKUNFTSWERTE?! – Ein Perspektivenwechsel“.

In seinem Vortrag „Was ist für den Menschen wertvoll? Ein Plädoyer für eine Ethik der Mäßigung“ verwies Dr. Dr. h.c. mult. Manfred Osten, Legationsrat erster Klasse a. D., auf die Not zu einer holistischen Integration des naturwissenschaftlichen Wertebildes in eine gesellschaftlich verantwortungsvolle Ethik. Er zeigte auf, dass die Umwertung aller Werte, die mit der industriellen Revolution einherging, eine Selbstentfremdung des Menschen nach sich zog, welche in dem Prinzip „gratis und sofort“ kulminierte. Die resultierende Ausbeutung fossiler Ressourcen zog nicht nur einen schon im 18. Jahrhundert konstatierten Klimawandel nach sich, sondern setzte auch eine unheilbringende Spirale von Kapitalschöpfung ohne Wertschöpfung in Gang. Gründend auf den tiefgehenden anthropologischen Erkenntnissen Johann Wolfgang von Goethes, forderte Dr. Osten eine globale Ethik der Mäßigung zur Umkehrung des Prinzips „gratis und sofort“ anstelle einer, in der nötigen Größenordnung unerreichbaren, wirtschaftlichen Nachhaltigkeit. Dr. Osten schlug einen umfassenden Bogen vom frühen „Elitenetzwerk“ Alexander von Humbolts, Justus Liebigs und Johann Wolfgang von Goethes, welche sich nicht nur gegenseitig inhaltlich befruchteten, sondern auch ganz konkret in ihrer wissenschaftlichen Karriere förderten. Es gelang ihm, offenzulegen inwiefern die Gestalt des Homunculus in Goethes Faust Tragödie sich auf die, durch Friedrich Wöhlers Harnstoffsynthese wissenschaftlich nachgewiesene, prinzipiell mögliche Umwandlung anorganischer in organische Materie gründete. Goethe spann diese Möglichkeit weiter zum Bild des künstlichen Menschen, welcher in einer Gehirn-optimierten, beschleunigten Evolution die Privatheit des Menschen beendet. Hier setzte Dr. Osten die aktuellen Bestrebungen von Mark Zuckerberg und Elon Musk zur Entwicklung einer „Brain Cloud“ in Kontext, welche genau diesem Prinzip der öffentlichen, sofortigen Gedankenlesbarkeit unterliegt. Wie schon von Goethe gefordert, kann nur ein transdisziplinäres Gespräch die Kluft der verschiedenen Wissenschaftskulturen zum Wohle der Zukunft aller Menschen, überwinden.

Prof. Dr. Thisbe K. Lindhorst, eine renommierte, forschungsstarke Chemikerin und Vorsitzende der Gesellschaft deutscher Chemiker, konnte hier mit ihrem Vortrag „Im Dienste einer besseren Zukunft für Alle: Wertedenken in der Chemie“ direkt anknüpfen. Das Streben nach Erkenntnis sei eine zutiefst menschliche Eigenschaft. Sie unterstrich, dass die Förderung von Egozentrik-ferner Elite und Excellence unabdingbar ist, um die Zukunftsprobleme der Welt für die Gesamtbevölkerung zu lösen. Die  von den Vereinten Nationen im Jahr 2015 festgesetzten „17 Sustainable Goals“, welche u. a. eine heile Umwelt, Gesundheit, Bildung und Gerechtigkeit für Alle fordern, könnten nur unter Zuhilfenahme chemischer Expertise angegangen werden. Ein Nachdenken über das, was hinter den Dingen liegt, wie das Leben gut wird und für wen, für wie viele und wie lange, dieser Ansatz müsse in die Naturwissenschaften eingepflegt und kultiviert werden. Prof. Lindhorst zeigte auf, dass es neben den wandelbaren Werten und Ansprüchen auch objektive, dem Menschen intrinsische Werte, wie der Würde des Menschseins, der Existenzbestimmung und der Arbeit zum Erhalt der selbigen, gibt. Ein Perspektivenwechsel und Selbstreflexion bezüglich der menschlich objektiven Welt seien Notwendigkeit zu einer exzellenten Fachlichkeit, welche sich dem gesellschaftlichen Kontext stellt. Diversität, Komplexität und Gleichzeitigkeit in der Forschung und in der Welt fordern einen Balanceakt, der nicht nur Tatsachen aneinander reiht, sondern Verantwortung für alle übernimmt. Einer ausschließlichen Motivation naturwissenschaftlicher Forschung durch Nützlichkeit setzte Prof. Lindhorst den Leitgedanken der Selbstbehauptung menschlicher Existenz durch Erkenntnisgewinn und Wahrheitssuche entgegen. Das Denken des Undenkbaren, das für Möglichhalten des unmöglich Scheinenden, das Greifen nach den Sternen erfordere ungezügelte Neugierde, Risikobereitschaft und Leidenschaft. Genau diese Dinge sollten durch Elite Förderung möglich gemacht werden.

In der anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von Prof. Dr. Burkhard König (Lehrstuhl für Organische Chemie), dem Vorsitzenden des Elitestudiengangs „SynCat“, tauschten sich die Redner und der Präsident der Universität Regensburg, Prof. Dr. Udo Hebel, in einer weitgreifenden Auseinandersetzung zum Thema Zukunftswerte mit dem Publikum, unter reger Zusprache desselbigen, aus.

Ein Video zur Veranstaltung ist ab dem 11.Mai 2018 auf dem Youtube Kanal der Fakultät Chemie und Pharmazie verfügbar: https://www.youtube.com/channel/UCxyknkDAm_-7jfe7WYViFLw

Elitenetzwerk-bayern-forum-800px


v.l.n.r.: Dr. Dr. h.c. mult. Manfred Osten (Generalssekretär a. D. der Alexander von Humboldt-Stiftung und Legationsrat erster Klasse a. D.), Prof. Dr. Thisbe K. Lindhorst (stellvertretende Präsidentin der Gesellschaft Deutscher Chemiker), Prof. Dr. Burkhard König (Chairman des SynCat Elitestudiengangs), Ministerialrätin Beate Lindner, Prof. Dr. Oliver Reiser (Vice Chairman des SynCat-Elitestudiengangs) und Universitätspräsident Prof. Dr. Udo Hebel
© Universität Regensburg, Referat II/2 – Kommunikation, Christina Glaser


Ansprechpartner für Medienvertreter:

Petra Eichenseher (PR und Kommunikation der Fakultät für Chemie und Pharmazie)
Fakultät Chemie und Pharmazie
Universität Regensburg
E-Mail: chem-pr@ur.de

  1. Startseite

Pressemitteilungen der Universität Regensburg

 

Zeitungen
Kontakt

Christina Glaser M.A.
Telefon 0941 943-5566
Telefax 0941 943-4929
E-Mail presse@ur.de

Link zu baydat online