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Wer mehr Kinder hat, lebt länger

Biologen der Universität Regensburg erforschen die Ameisengattung „Cardiocondyla“


Pressemitteilung vom 15. Februar 2017

Eine Forschergruppe der Universität Regensburg hat in einer Studie die Wechselwirkung zwischen Fruchtbarkeit und Lebenserwartung bei Cardiocondyla-Ameisen untersucht. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass Ameisenköniginnen auch dann nicht kürzer leben, wenn sie viele Nachkommen haben. Sie stellen damit eine Ausnahme unter den Vielzellern dar.

Dr. Alexandra Schrempf, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Zoologie der Universität Regensburg, untersucht im Rahmen des Projektes „Ageing and fecundity in Cardiocondyla ants" den Zusammenhang zwischen Lebenserwartung und Fruchtbarkeit bei Ameisenköniginnen der Gattung „Cardiocondyla“. Das Projekt ist ein Teilprojekt der DFG-Forschergruppe FOR 2281 (Sprecher: Universität Heidelberg), die Alterungsprozesse von Organismen erforscht und dabei soziale Insekten wie Ameisen, Bienen oder Termiten, die besonders fruchtbar und langlebig sind, in den Fokus ihrer Untersuchungen stellt.

Überall im Tierreich findet sich der sogenannte „trade-off” zwischen Reproduktion, also der Anzahl der Nachkommen, die ein Tier erzeugt, und dem Alter der Individuen. Grund für den „trade-off” ist, dass jedes Individuum nur eine gewisse Menge an Ressourcen zur Verfügung hat, die entsprechend aufgeteilt werden muss. Investiert ein Lebewesen sehr viel Kraft in seine Fortpflanzung, bleibt weniger Energie zur Aufrechterhaltung des eigenen Körpers zur Verfügung. Dementsprechend haben Organismen, die sehr viele Nachkommen erzeugen, in der Regel ein verkürztes Leben.
In ihrer Studie zeigten die Regensburger Forscher jetzt, dass Ameisenköniginnen diesem „trade-off” nicht unterliegen. Ameisen, die dazu gebracht werden, sehr viele Eier zu legen, sterben nicht früher. Im Gegenteil: Königinnen, die im Schnitt mehr Eier pro Woche legen, leben sogar länger als ihre Artgenossinnen. Damit kehren sie quasi den „trade-off” um und sind die einzigen Tiere, bei denen exzessive Reproduktion die Lebensdauer verlängert. Ameisenköniginnen scheinen die Beanspruchung durch die Reproduktion „minimieren“ zu können und ihrer Alterung entgegenzuwirken.

Die Studie zeigt, dass sich soziale Insekten sehr gut für die Altersforschung eignen. Durch Vergleiche mit anderen Tieren, die dem trade-off unterliegen, wie z. B. der Fruchtfliege Drosophila, lassen sich in Zukunft auch physiologische Prozesse, die die Alterung betreffen, näher untersuchen.

Die Ergebnisse werden in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „The American Naturlist“ publiziert. (DOI: 10.1086/691000)

Ameisenk _nigin Der Gattung Cardiocondyla Obscurior

Junge Ameisenkönigin der Art "Cardiocondyla obscurior" mit einer Puppe (Foto: Julia Giehr)


Ansprechpartnerin für Medienvertreter:

Dr. Alexandra Schrempf
Universität Regensburg
Institut für Zoologie
Telefon: 0941 943-3001
E-Mail: alexandra.schrempf@ur.de

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